Zu Handlungskonzepten und Präventionsansätzen gegen Gewalt an Schulen

Wenn es um Maßnahmen zur Verminderung von Gewalt geht, so steht die Schule in einem spezifischen Spannungsfeld. Viele Untersuchungen zeigen, dass ein erheblicher Teil der Gewalt, die sich an der Schule äußert, importiert ist. Die damit verbundenen Probleme sind durch schulische Prävention kaum erreichbar. Andererseits gibt es gewaltfördernde Faktoren, die an der Schule selbst entstehen (s.o.).

Die gewaltpräventive Gestaltung schulischer Prozesse hat demzufolge zwei Zielrichtungen:

Erstens muss sich die Gewaltprävention auf jene Wirkfaktoren konzentrieren, die durch schulisches Handeln auch erreichbar sind, d.h. es geht um die Beseitigung originärer Ursachen und Provokationen der Gewaltbereitschaft innerhalb der Schule.

Zweitens sollte es aber auch um die relative Abschwächung außerschulischer Faktoren der Gewaltbereitschaft von SchülerInnen gehen.

Bei der Sichtung der Literatur zur Prävention aggressiver Umgangsformen an der Schule steht man vor einer nahezu unübersehbaren Vielfalt von Vorschlägen und Möglichkeiten. Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit entsprechenden Programmen sollte deshalb die differenzierte Betrachtung der konkreten Schule sein, d.h. welche Probleme und Entwicklungspotentiale es dort gibt. Welche Maßnahmen im Einzelnen in Angriff genommen werden können und sinnvoll sind, ist sicher abhängig von der konkreten Gewaltbelastung der einzelnen Schule. Entscheidend ist auch die Orientierung auf die Nachhaltigkeit solcher Programme, d.h. es ist eine (immer noch vorhandene) Illusion, über kurzfristige und anlassbezogene Aktivitäten grundlegende Veränderungen zu erreichen. Das braucht Zeit und muß auf einer breiten Basis verwirklicht werden LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern müssen einbezogen sein. Dafür gibt es in den meisten Fällen ein breites Potential, das aktiviert werden muss, das sich aber auch aktivieren lässt. Bei allen Unterschieden im Herangehen an das Problem der schulischen Gewaltprävention zeigen sich generell folgende Schwerpunkte, die auf die Ebene der SchülerInnen, die Ebene der LehrerInnen, die Klassenebene und für die gesamte Schule umsetzbar sind:

Erstens: der erste Komplex von Handlungsmöglichkeiten bezieht sich auf die Gestaltung der Lernkultur an einer Schule. Drei Fragen sind dabei von Bedeutung:

  • die Gestaltung eines schüler- und lebensweltorientierten Unterrichtes, der sich durch Phantasie, individualisierte Lernformen und durch eine Vielfalt der Lernorte und Lerngelegenheiten auszeichnet. Dabei geht es auch darum, ein angemessenes Verhältnis zwischen kognitiven Inhalten und sozial und emotional relevante Themen zu schaffen. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang auch Angebote für leistungsschwache Schüler;
  • die Relativierung der Bedeutung des Leistungsdrucks und das Hinarbeiten auf mehr Gerechtigkeit innerhalb des vorgegebenen Systems können Schulunlust, Schulverweigerung und den damit verbundenen Problemen entgegenwirken;
  • die Vermittlung eines positiven Leistungs- bzw. Selbstkonzepts ist ein weiterer Aspekt. Anders ausgedrückt: Erfolge müssen prinzipiell für alle Schüler möglich sein, das schließt auch entsprechende Fördermaßnahmen ein.

Zweitens: In diesem Komplex von Handlungsmöglichkeiten geht es um das soziale Klima an der Schule. Dabei sind folgende Momente wichtig:

  • die Förderung der Gemeinschaft der Schüler und die Entwicklung sozialer Bindungen zwischen ihnen;
  • die Entwicklung bzw. Erweiterung der sozialen Kompetenz der SchülerInnen z.B. durch verschiedene Formen des sozialen Lernens. Ziel ist neben der Konfliktfähigkeit und Toleranz die Entwicklung prosozialer, kooperativer Einstellungen und Handlungen;
  • um die Verbesserung des Konfliktverhalten der LehrerInnen und um die Entwicklung eines von gegenseitiger Akzeptanz und Vertrauen gekennzeichneten LehrerInnen-SchülerInnen-Verhältnisses. Besonderes Problem dabei ist die Vermeidung von Etikettierungen im Umgang mit gewaltbereiten SchülerInnen;
  • um die Entwicklung und Gestaltung umfassender Partizipationsmöglichkeiten an der Schule für die SchülerInnen und auch die Eltern.

Drittens: dieser Komplex beinhaltet das klare Setzen von Regeln und Normen an der Schule. Entscheidend dabei sind folgende Momente:

  • das Lehrerkollegium muss dahinter stehen und sie in der schulischen
    (Gewalt-)praxis auch konsequent umsetzen, z.B. bei Gewalterscheinungen sofort und Konsequent eingreifen,
  • diese Regeln und Normen gelten für alle SchülerInnen und LehrerInnen gleichermaßen,
  • und sie müssen einsehbar, d.h. überzeugend und am besten mit den SchülerInnen zusammen erarbeitet werden.

Ein vierter Handlungskomplex schließlich betrifft die Kooperation der Schule mit Partnern außerhalb der Schule. Dabei geht es insbesondere um Probleme , die von außen in die Schule hinein getragen werden und die allein nicht gelöst werden können, z.B. im Zusammenhang mit jugendkulturellen Orientierungen, die massive Schwierigkeiten, wie z.B. körperliche Misshandlungen in den Elternhäusern betreffen, oder auch strafrechtliche Delikte wie Drogenmissbrauch. Vor allem notwendig ist hier eine enge Kooperation mit der Jugendhilfe und im Bedarfsfall auch mit der Polizei. Praktische Erfahrungen zeigen, dass hier in vielen Fällen die Zusammenarbeit nur sehr schlecht funktioniert.